“It’s All About the Music” – Das Buddha Stretch Q&A in der KULT TANZSCHULE beim Summer of HipHop 2024
Im Rahmen der Workshops beim Summer of HipHop 2024 fand in der KULT Tanzschule in München ein ganz besonderes Live-Format statt: ein intensives, öffentliches Q&A mit Hip-Hop-Legende Buddha Stretch, geleitet von Georg Wondrak. Nicht als Show, nicht als Performance – sondern als ehrlicher, direkter und persönlicher Dialog mit den Teilnehmer:innen des Festivals.
Der New Yorker Tänzer, Choreograf und kulturelle Wegbereiter ist bekannt für seine Arbeiten mit Michael Jackson, Will Smith oder Mariah Carey – und doch ging es in diesem Gespräch um viel mehr als glanzvolle Namen. Es ging um die Essenz des Tanzens, um die Bedeutung von Musik, um Musikalität, Haltung und Wachstum.
Focus on the Music – Dance Becomes Easy
Stretch eröffnete die Session mit seinem wichtigsten Rat – und dieser gilt für Anfänger:innen ebenso wie für Profis:
„If you focus on the music, the dance is easy. If you focus on the dance, it becomes difficult.“
Für ihn ist Musik nicht Begleitung, sondern Ursprung und Mittelpunkt jeder Bewegung. Tänzer:innen, die sich zu sehr auf Technik oder Abläufe konzentrieren, verlieren oft den Zugang zur musikalischen Tiefe. Sein Appell: „Listen with intent. Listen to hear and to feel.“
Judging mit System – 6 Fragen entscheiden
Als langjähriger Battle-Judge weltweit verfolgt Stretch ein klares, durchdachtes System:
„The person that gets four out of six wins the battle.“
Die sechs Bewertungskriterien, die er auf jede Performance anwendet:
- Who – Charakter
- What – Vokabular / Stil
- Where – Bühnenpräsenz
- When – Kreativität
- How – Technik
- Why – Musikalität
Diese Fragen helfen, Performances nicht subjektiv, sondern inhaltlich fundiert zu beurteilen – unabhängig vom Fame, vom Stil oder der Herkunft.
Musicality Is What You’re Born With
Ein zentraler Punkt, der viele Tänzer:innen beschäftigt:
Wie entwickle ich Musikalität? Stretch betont:
„All babies rock to music – because they feel their mother’s heartbeat first. It’s already in you.“
Musikalität ist keine Technik – sondern ein inneres Hören. Doch sie muss gepflegt werden: durch aktives Zuhören, durch Neugier auf verschiedene Schichten in der Musik – Bass, Rhythmus, Melodie, Stimme. Wer nur zählt, hört nicht. Wer fühlt, bewegt sich mit.
„You need to become a layer in the music – not a memory of the music.“
Tanzstile, Battles & Kulturverständnis
Stretch sprach sich entschieden gegen die Verwässerung von Stilen in Battles aus:
„If it’s a Hip-Hop battle – do Hip-Hop. If it’s Popping – do Popping. Not whatever you want.“
Ebenso wies er auf die kulturellen Ursprünge und eigenständigen Geschichten von Popping, Locking, Breaking oder Whacking hin – und kritisierte, dass sie zu oft unter dem pauschalen Begriff „Hip-Hop“ zusammengeworfen werden:
„Hip-Hop is a culture. Popping and Locking have their own culture and history – we must respect that.“
DJ, Musik & Verantwortung
Ein wiederkehrender Kernpunkt war die Rolle der Musik in Battles – und die Verantwortung der DJs:
„If the DJ is bad – the whole event is bad. Great dancing to bad music is still bad.“
Die Aufgabe eines Battle-DJs sei es nicht, einfach Tracks abzuspielen, sondern die Energie des Raumes zu erfassen, zu lenken und alle mitzureißen. Nur dann kann echtes Tanzen passieren.
Authentizität statt Show
Auf die Frage, warum Stretch beim Event keine „Judge Demo“ gezeigt habe, antwortete er nüchtern:
„I taught two classes and judged a battle. If you want to see me dance – play good music. I'll move. But I don’t need to prove anything anymore.“
Seine Botschaft: Der Wert eines Judges zeigt sich nicht in der Selbstdarstellung, sondern in Wissen, Erfahrung und Urteilsfähigkeit.
Community vs. Competition
Eine kritische Beobachtung betraf den Zustand der Szene:
„Everything is ultra-competitive. Where’s the joy? Where’s the love for the music?“
Während der Wettbewerb ein natürlicher Teil der Kultur sei, warnte Stretch vor einem Übermaß an Ego und Rivalität. Für ihn ist Tanz Begegnung, Lernen, Gemeinschaft.
„The real battle is with the person in the mirror. Try to be better than yesterday.“
Ein Höhepunkt des Festivals
Das Q&A mit Buddha Stretch war für viele Teilnehmer:innen des Summer of HipHop 2024 ein Höhepunkt – nicht wegen großer Moves, sondern wegen großer Gedanken.
Georg Wondrak leitete das Gespräch sensibel, stellte gezielte Fragen und schuf eine offene Atmosphäre, in der echte Begegnung möglich war. Und Stretch? Ließ keine Frage unbeantwortet – und kein Ohr unberührt.
„You don’t learn only from people with knowledge. You learn from everyone. Every experience teaches you something.“
Fazit: Musik, Haltung und Menschlichkeit
Wer bei diesem Q&A dabei war, ging nicht nur mit neuen Impulsen für das eigene Tanzen, sondern auch mit einem tieferen Verständnis für das, was Hip-Hop wirklich bedeutet: Kultur, Musik, Bewegung – und Menschlichkeit.
Buddha Stretch beim Summer of HipHop 2024 – ein Moment, der bleibt.













